Hilfe! – Mein Kind haut mich

Kennst du das? Es fängt ganz „harmlos“ an: Erst ein kleines Stampfen, dann Geschrei… und dann…?

Hilfe! – Mein Kind hat mich gehauen.

Und du?

… Stehst vielleicht wie versteinert da. Vielleicht reagierst du auch schnell und rufst: „Nein! Das macht man nicht! Das tut der Mama doch weh!“

Und was ist da noch?

Ratlosigkeit, Hilflosigkeit? Vielleicht auch ein wenig Scham, weil du die Situation (wieder einmal) nicht unter Kontrolle hast.

Nimmt dein Kind dich etwa nicht ernst? Hast du versagt, weil du es nicht geschafft hast, eine klare Grenze zu wahren? DEINE Grenze.

Die Antwort lautet: NEIN.

Es ist nicht deine Schuld, dass die Situation so eskaliert ist. Auch dein Kind hat nicht böswillig gehandelt. (Es wollte dir nicht weh tun.)

Ein Kleinkind, welches beispielsweise Wut oder Frust empfindet, kann sich selbst noch nicht regulieren. Es weiss in solchen Momenten noch nicht, wohin mit all den starken Gefühlen. Oft werden diese körperlich in Form von Hauen, Treten, Beissen, etc. ausgedrückt.

Das Gehirnareal, welches für die Impulskontrolle zuständig ist (nämlich der Präfrontale Cortex), muss sich erst noch vollständig entwickeln.

Natürlich ist dies kein Freifahrtschein für das Kind, bei jeder Gelegenheit wild um sich Hauen zu dürfen.

Dies liegt ausserdem auch gar nicht im Interesse des Kindes – denn: Sowohl die Erwachsenen als auch das Kind streben doch vielmehr eine harmonische Verbindung an.

Und genau hier sollte man auch ansetzen. Anstatt nur die äusserliche Situation zu sehen – das Kind hat gehauen – und dieses als negatives Verhalten zu bewerten, ist es hilfreicher, in die Verbindung zu gehen und das Kind dort abzuholen, wo es in diesem Moment steht.

Es gilt, sich als erwachsene Bezugsperson klarzumachen:

Das Hauen ist „nur“ der körperliche Ausdruck – quasi eine Reaktion auf ein starkes Gefühl. Eine Reaktion aus der Not heraus.

Es ist daher auch wenig hilfreich, das Kind im Anschluss zu tadeln, zu bestrafen oder lang und breit zu erklären, warum Verhalten XY „falsch“ ist.

Das holt das Kind nicht aus seiner Not heraus. Im Gegenteil: Dies sorgt viel mehr für weitere Verunsicherung.

Sinnvoller ist es, dem Kind in diesen überwältigenden Gefühlen zu helfen, indem man beispielsweise die Situation beschreibt und Gefühle benennt.

Zum Beispiel: „Ich sehe, du bist gerade richtig wütend!“ (Ohne Bewertung)

So lernt das Kind: „Aha, das ist Wut – so fühlt sich das an.“

Auch wir Erwachsenen können in diesem Prozess etwas lernen, nämlich:

Uns wirklich bewusst mit dieser Situation auseinanderzusetzen und hinter die Fassade („Wut“) zu schauen.

Kinder „rasten“ nicht deshalb aus, weil sie das tolle Spielzeug nicht bekommen, das leckere Eis ihnen verwehrt wird oder Mama – oder Papa – gerade JETZT keine Zeit zum Spielen haben.

Das Gefühl entsteht vielmehr als Folge, aus einem Bedürfnis des Kindes heraus, welches in diesem Moment nicht erfüllt wird.

Gerade Kleinkinder können sich ihre Bedürfnisse noch nicht selbst erfüllen – dafür brauchen sie unsere Hilfe.

Manchmal braucht es hier auch ein wenig Detektiv-Arbeit, um dem eigentlichen Thema auf die Spur zu kommen.

Und keine Angst, wenn du nicht sofort verstehst, worum es eigentlich geht.

Ziel ist es auch nicht, die Situation auf Anhieb perfekt zu meistern.

Was deinem Kind am meisten hilft sind vor allem:

  • Deine Präsenz. Du signalisierst deinem Kind, mit Worten oder deinem Verhalten: Ich bin für dich da.
  • Verständnis. Ich sehe deine Wut/Trauer/… , ich sehe deine Not.

Was so einfach klingt, bringt viele Eltern in ihrem meist hektischen Alltag aber oft an ihre Grenzen.

Nicht selten kehren bestimmte Situationen immer wieder. Kinder zeigen ein bestimmtes Verhalten – und ihre Bezugspersonen reagieren.

Wieder wird es laut, wieder sind am Ende beide Parteien nicht zufrieden mit dem „Ergebnis“. Zurück bleiben wieder die Hilflosigkeit und viele Fragen.

Und hier kommt (endlich) die gute Nachricht: Es muss nicht immer so weitergehen.

Veränderung entsteht selten durch eine schnelle Sofort-Lösung. Und es geht auch gar nicht darum, jede Situation perfekt zu meistern.

Vielmehr beginnt sie dort, wo wir bereit sind, hinzuschauen.

Zu beobachten.

Zu verstehen – ohne zu bewerten.

Und vor allem: Verbindung über Reaktion zu stellen.

Wenn wir anfangen, hinter das Verhalten zu blicken, verändert sich oft bereits etwas Entscheidendes – in uns. Und genau dort beginnt nachhaltige Veränderung im Familienalltag.

Vielleicht konnte dir dieser kleine Impuls eine neue Perspektive schenken.

Vielleicht hat er Fragen in dir ausgelöst oder eigene Gedanken angestossen.

Ich freue mich, wenn du sie mit mir teilst.

(Du darfst mir gerne eine E-Mail schreiben.)

Und wenn du merkst, dass sich gewisse Dynamiken im Alltag immer wiederholen, dass die Energie schwindet oder du das Gefühl hast, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen – dann musst du da nicht alleine durch.

Manchmal hilft ein Blick von aussen, um wieder Klarheit zu gewinnen.

Gerne können wir uns deine persönliche Situation in einem unverbindlichen Gespräch einmal anzuschauen.

Und bis dahin wünsche ich dir viele kleine Momente der Verbindung – auch (und gerade) in den herausfordernden Zeiten.